Nach unserem Offenen Brief an das Rektorat der Universität Bremen hat das Regionalmagazin „buten un binnen“ einen Beitrag über Antisemitismus an der Universität ausgestrahlt, in dem auch wir interviewt wurden. Wir möchten „buten un binnen“ für das Interesse an unserer Arbeit danken und sehen in dem Beitrag eine notwendige Intervention gegen die antisemitischen Umtriebe und die mangelnde Handlungsbereitschaft vonseiten des Rektorats. Dennoch müssen wir eine Aussage aus dem Beitrag richtigstellen, da sie die von uns vertretende Position verfälscht.
Am Ende des Beitrags wurde uns folgende Aussage in den Mund gelegt: „Kritik an Israel sei nicht automatisch judenfeindlich und die allermeisten, die sich für die Anliegen der Palästinenser einsetzen, seien keine Feinde Israels oder gar Judenhasser. Aber es gebe eben radikale Äußerungen und die sollten stärker geahndet werden.“
Die hier zitierten Worte sind von uns nie geäußert worden, da wir entgegen der Behauptung Antisemitismus nicht als Randphänomen, sondern als integralen Bestandteil des gegenwärtigen „pro-palästinensischen“ Aktivismus betrachten. Nicht nur ist das Erscheinungsbild des Aktivismus von eindeutig antisemitischen Parolen und Symbolen geprägt, es sind auch die in der „pro-palästinensischen" Szene fest verankerten antisemitischen Mythen, die in der öffentlichen Debatte in der Regel als harmlos wahrgenommen werden.
Sei es der Nakba-Mythos, der immer wieder erhobene Genozidvorwurf oder die Behauptung, Israel sei ein Apartheidstaat: Es wird deutlich, dass der Kampf für die „palästinensische Sache“ eins ist mit der Delegitimierung und Dämonisierung Israels. Das Zeigen von Landkarten, auf denen Israel nicht mehr existiert, oder auch das Tragen des „Palästinensertuch“, dessen Symbolgehalt mit der Politisierung durch Mohammed Amin al-Husseini klar auf die Vernichtung Israels ausgerichtet ist, verdeutlichen das Movens der Bewegung. Anders wäre auch kaum zu erklären, warum sich die „pro-palästinensischen“ Aktivisten erst für die „Anliegen der Palästinenser“ interessieren, wenn sie meinen, Israelis als Täter ausmachen zu können. Über die Terrorherrschaft der Hamas und der Fatah, den ausgeprägten Antisemitismus in der palästinensischen Bevölkerung schweigt man hingegen.
Der genannte Videobeitrag. Quelle: buten un binnen, 2024